Potsdam, 08.09.2025
Kommunen als Orte der Vielfalt stärken – KFB legt Positionspapier zur Migrationspolitik in Brandenburg vor
Die Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg (KFB) warnt vor den Folgen einer zunehmenden Zentralisierung in der Migrationspolitik des Landes. In der „Stellungnahme der KFB zur zukünftigen Gestaltung der Migrationspolitik im Land“ fordert sie, Kommunen als zentrale Orte des Ankommens und Zusammenlebens zu stärken. Anlass dazu gaben die jüngsten politischen Entwicklungen und die Erklärung der Landrätekonferenz vom 19. März 2025.
„Fluchtmigration ist längst Teil der gesellschaftlichen Realität in Brandenburg. Statt auf symbolpolitische Maßnahmen wie Grenzkontrollen zu setzen, brauchen wir starke, handlungsfähige Kommunen, die Teilhabe vor Ort aktiv gestalten können“, betont Lisa Schmidt, Projektkoordinatorin der KFB.
Die KFB verweist auf positive Erfahrungen: Der Abbau von Restriktionen habe kommunale Kapazitäten geschont und die Aufnahmebereitschaft gefördert. Zentralisierung hingegen führe zu sozialer Isolation und erschwere den Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Arbeit für geflüchtete Menschen.
Im Positionspapier werden zahlreiche konkrete Vorschläge für Politik und Verwaltung formuliert. Im Mittelpunkt steht dabei, die Kommunen als Orte des Ankommens zu stärken und ihre finanzielle Ausstattung zu sichern, um Teilhabe vor Ort zu ermöglichen und eine wirksame Alternative zur zunehmenden Zentralisierung zu schaffen.
In diesem Zusammenhang warnt die KFB davor, rechtsextreme Übergriffe in Brandenburg als Zeichen einer angeblichen „Überforderung“ durch Fluchtmigration zu deuten. Sie seien vielmehr das Ergebnis einer Diskursverschiebung, der auch durch restriktives politisches Handeln der Weg bereitet wurde. „Dieser Weg muss korrigiert werden. Jetzt ist es an der Zeit, politisch Verantwortung zu übernehmen“, erklärt Joshua Spieker von KommMit – für Geflüchtete und Migrant:innen e.V. und ergänzt: „Die anstehende Neuauflage des Landesaufnahmegesetzes ist beispielsweise eine Gelegenheit, wichtige Entwicklungen positiv zu gestalten und Impulse für eine zukunftsfähige Migrationspolitik zu setzen.“
Mit dem Papier lädt die KFB zum politischen Dialog ein und bietet Expertise an, um Flucht- und Migrationspolitik konstruktiv zu gestalten. Notwendig sind Lösungen, die Kommunen stärken, Teilhabe sichern und eine solidarische Gesellschaft fördern.
Das vollständige Positionspapier „Kommunen als Orte der Vielfalt stärken – Stellungnahme der Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg (KFB) zur zukünftigen Gestaltung der Migrationspolitik im Land“ steht unter hier zum Download bereit.
Kooperation für Flüchtlinge (KFB):
Die KFB setzt sich seit vielen Jahren für die Verbesserung der Aufnahmebedingungen und die diskriminierungsfreie Teilhabe von geflüchteten Menschen in Brandenburg ein. Zu dem Netzwerk gehören: KommMit – für Geflüchtete und Migrant:innen e.V. – PSZ Brandenburg, Flüchtlingsberatung Ev. Kirchenkreis Oberes Havelland, Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, ESTAruppin, Kirchenkreis Wittstock-Ruppin, das Fachgebiet „Soziologie für die Soziale Arbeit“ der BTU Cottbus-Senftenberg und der Flüchtlingsrat Brandenburg.
Mehr Informationen zur Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg finden Sie hier.
Potsdam, 16. Dezember 2024
KFB fordert: Bezahlbar wohnen statt unbezahlbar untergebracht
Geflüchtete Berufstätige sind in Brandenburg verpflichtet für ihre verordnete Unterbringung in großen Sammelunterkünften Gebühren zu zahlen. In Oberhavel zum Beispiel bewegt sich die Gebührenhöhe in Größenordnungen von monatlich 225 bis 473 € für eine Unterbringung auf etwa 6 qm in Mehrbettzimmern.
Bereits im Jahr 2019 haben sich betroffene Menschen aus dem Landkreis Oberhavel zusammengeschlossen und mit Unterstützung von Rechtsanwält:innen Klagen gegen die unverhältnismäßig hohen Gebühren erhoben. Am 19.12.24 um 11 Uhr findet die öffentliche mündliche Verhandlung in diesen Verfahren statt, am Verwaltungsgericht Potsdam in der Friedrich-Ebert-Straße 32.
Fast 800 Menschen unterstützten 2019 eine Online-Petition für das Anliegen der Kläger:innen. Darin schrieben diese: „Wir sind bereit, für unsere Unterbringung zu bezahlen. Jedoch halten wir [die hohen] Gebühren […] für Wucher-Beträge, die angesichts der Wohnbedingungen in der Gemeinschaftsunterkunft vollkommen unverhältnismäßig sind. Wir sind in Mehrbettzimmern untergebracht und zahlreichen Beschränkungen unterworfen, die es in einer eigenen Wohnung nicht geben würde. So darf z.B. Besuch nicht bei uns übernachten. Es ist dort ständig laut, es leben viele Menschen auf engem Raum mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen und Tagesabläufen. Für jede Person stehen meist nur 6 Quadratmeter zur Verfügung. Es gibt keine Privatsphäre. Kein Mensch würde diese Art der Unterbringung auf Dauer freiwillig wählen. Eine Konzentration auf die Arbeit ist so kaum möglich. Deshalb möchten wir auch alle in eine eigene Wohnung ziehen und dort Miete zahlen, aber in Oberhavel finden wir keine Wohnungen.“
Der bayerische Verwaltungsgerichtshof hat zuletzt mit Beschluss vom 14.04.2021 herausgearbeitet, dass in Hinblick auf die Unterbringung von Geflüchteten in Sammelunterkünften die Gebührenhöhe gemäß des Sozialstaatsprinzip zu begrenzen ist und die Gebührenkalkulation nachvollziehbar und transparent sein muss.
Die Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg ruft dazu auf, am 19.12.24 zu der öffentlichen Verhandlung vor dem VG Potsdam zu kommen. Gemeinsam protestieren wir gegen die Unterbringung von geflüchteten Menschen in hochpreisigen sog. Übergangswohnheimen, in denen über Jahre hinweg viele Menschen auf engstem Raum untergebracht sind.
Hier wird eine Wohnform, die lediglich ein Übergang sein sollte, zu einer Dauerunterbringung von Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben und vom Leben in Privatwohnungen ausgeschlossen werden. Es darf nicht sein, dass diese Menschen hier einerseits als Fachkräfte tätig sind und gleichzeitig so prekär, ausgesondert und überteuert untergebracht werden.
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Die Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg setzt sich aus verschiedenen Organisationen zusammen, darunter KommMit – für Geflüchtete und Migrant:innen e.V. – PSZ Brandenburg (Projektträgerin), Evangelischer Kirchenkreis Oberes Havelland, Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, ESTAruppin, Kirchenkreis Wittstock-Ruppin, das Fachgebiet „Soziologie für die Soziale Arbeit“ der BTU Cottbus-Senftenberg und der Flüchtlingsrat Brandenburg.
Mehr Informationen zur Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg finden Sie hier.
Pressemitteilung, 18.11.2024
Koalitionsverhandlungen in Brandenburg: KFB fordert SPD und BSW zum Kurswechsel in der Unterbringungspolitik auf
Potsdam, 18. November 2024 – Die Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg (KFB) appelliert an die zukünftige Landesregierung, im Rahmen der Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und BSW die Weichen für eine grundlegende Neuausrichtung in der Unterbringungspolitik für geflüchtete Menschen zu stellen. Die Verhandlungen sind eine ideale Gelegenheit, den bisherigen Kurs grundlegend zu überdenken und langfristig menschenwürdige Wohnverhältnisse für alle zu schaffen.
Der bisherige Ansatz, den Großteil geflüchteter Menschen in Brandenburg in zentralisierten Massenunterkünften unterzubringen, führt zu erheblichen sozialen und gesellschaftlichen Problemen. Die Bedingungen in diesen Einrichtungen – geprägt durch mangelnde Anbindung an öffentlichen Nahverkehr, fehlende Privatsphäre und eingeschränkte Teilhabemöglichkeiten – erschweren ein selbstbestimmtes Leben erheblich. Die KFB fordert daher eine grundsätzliche Abkehr von diesem Modell. Künftige Vereinbarungen sollten Wohnungen als Regelunterkunft für Schutzsuchende festlegen und Maßnahmen einführen, die ihnen die Anmietung eigenen Wohnraums erleichtern. Die dezentrale Unterbringung in privatem Wohnraum fördert nicht nur die gesellschaftliche Teilhabe, sondern reduziert auch Barrieren im Zugang zu öffentlicher und sozialer Infrastruktur und erleichtert so, dass Schutzsuchende ein Zuhause finden und in der Gesellschaft ankommen.
„Wir fordern die zukünftige Landesregierung auf, die rückwärtsgewandte Symbolpolitik der letzten Monate – wie die Einführung von Grenzkontrollen, Bezahlkarte oder Forderung nach verstärkten Abschiebungen – nicht weiterzuführen“, so Carla Regling, Flüchtlingsrat Brandenburg. „Statt geflüchtete Menschen zu Sündenböcken für soziale Probleme zu erklären, sollte sich die zukünftige Landesregierung den drängenden sozialen Herausforderungen widmen: dem Ausbau bezahlbaren Wohnraums und der Verbesserung der Infrastruktur, von Kitaplätzen bis zum öffentlichen Nahverkehr.“
Luisa Ayo, Projektkoordinatorin von KommMit-PSZ, ergänzt: „Eine gerechte Sozialpolitik stärkt die soziale Gerechtigkeit und Teilhabe für alle Menschen in Brandenburg.“ Ayo betont die Dringlichkeit langfristiger Investitionen in den sozialen Wohnungsbau: „Es ist notwendig, dass Land und Kommunen gemeinsam in den sozialen Wohnungsbau investieren, um menschenwürdige Wohnverhältnisse für alle zu sichern. Der angespannte Wohnungsmarkt betrifft nicht nur geflüchtete Menschen, sondern stellt eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar, die geflüchtete Menschen jedoch besonders trifft.“
Die KFB erinnert daran, dass Brandenburg schon immer durch Migration geprägt war. Nun liegt es an der zukünftigen Landesregierung, Bedingungen zu schaffen, die Schutzsuchenden ein schnelles Ankommen und eine selbstbestimmte und produktive gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.
Die Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg setzt sich aus verschiedenen Organisationen zusammen, darunter KommMit – für Geflüchtete und Migrant:innen e.V. – PSZ Brandenburg (Projektträgerin), Evangelischer Kirchenkreis Oberes Havelland, Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, ESTAruppin, Kirchenkreis Wittstock-Ruppin, das Fachgebiet „Soziologie für die Soziale Arbeit“ der BTU Cottbus-Senftenberg und der Flüchtlingsrat Brandenburg.
Mehr Informationen zur Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg finden Sie hier.
Pressemitteilung, 30.05.2024
Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg fordert „Konsequent und sofort: Wohnen für Alle!”
Brandenburg, 30.05.2024 – Angesichts der Demonstration des Bündnis gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn am 01. Juni in Berlin, der bevorstehenden Kommunal- und Europawahlen am 09. Juni und den Bestrebungen der Bundesregierung, Wohnungslosigkeit bis 2030 zu beenden, ruft die Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg (KFB) dazu auf, die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum für alle gruppenübergreifend umzusetzen.
Jeder Mensch hat das Recht auf angemessenen Wohnraum. Notunterkünfte für obdachlose Menschen bieten genauso wenig Schutz, wie Sammelunterkünfte für geflüchtete Menschen in Brandenburg. Diese menschenunwürdigen Bedingungen mit schlechtem Zugang zu Infrastruktur im ländlichen Raum Brandenburgs und die fehlende Privatsphäre, behindern gesellschaftliche Teilhabe und bieten schlichtweg keine Möglichkeit für ein selbstbestimmtes Leben.
„Es braucht dringend einen Paradigmenwechsel hin zur Förderung von dezentralen Wohnformen und der Schließung von Sammelunterkünften. Daher braucht es bezahlbaren Wohnraum sowie die Bereitschaft, kreativ Alternativlösungen und -konzepte auszuprobieren und umzusetzen“, betont Lisa Schmidt von KommMit-PSZ, Projektkoordination der KFB.
Wohnungslosigkeit betrifft in Deutschland vor allem geflüchtete Menschen. So kommen nach Angaben der Bundesregierung 80 Prozent als „untergebracht wohnungslos“ ermittelten Menschen „nicht aus Deutschland“ und leben in Gemeinschaftsunterkünften. Dass die Bundesregierung mit ihrem Anfang April beschlossenen „Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit” das Ziel verfolgt, bis 2030 allen betroffenen Menschen ein Angebot für eine Wohnung zu machen, wirkt beinahe zynisch. Die Forderungen des Aktionsplans, z.B. den Übergang von Gemeinschaftsunterkünften in Wohnungen zu beschleunigen und den Kampf gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt zu verstärken, sind Forderungen, die die KFB für die Verbesserung der Wohnsituation für geflüchtete Menschen in Brandenburg schon seit Langem fordert.
Carla Regling vom Flüchtlingsrat Brandenburg erinnert: „Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum existiert seit Jahrzehnten und ist auf eine verfehlte Sozialpolitik zurückzuführen. Geflüchtete Menschen als Sündenböcke dieser verfehlten Politik darzustellen, ist schlichtweg falsch und treibt das gegeneinander Ausspielen unterschiedlicher Gruppen weiter voran.“
„Statt populistischer Scheindebatten mit Überlastungsszenarien zu führen, sollte der Fokus auf eine ausgewogene Wohnungspolitik gelegt werden. Diese fördert soziale Gerechtigkeit und trägt zur Schaffung einer inklusiven und vielfältigen Gesellschaft bei, von der letztlich alle Menschen profitieren“, so Regling weiter.
Die KFB appelliert daher angesichts der bevorstehenden Kommunal- und Europawahlen am 09. Juni und den Landtagswahlen im Herbst an die politischen Entscheidungsträger*innen, die gesamtgesellschaftlichen Bedarfe zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und konsequent umzusetzen. Hierzu zählen zum Beispiel der Vorrang des gemeinwohlorientierten Wohnungsbaus und eine Stärkung von gemischten Quartieren mit günstigen und hochpreisigen Wohnungen.
Hintergrund:
Die Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg setzt sich aus verschiedenen Organisationen zusammen, darunter KommMit – für Geflüchtete und Migrant:innen e.V. – PSZ Brandenburg (Projektträgerin), Evangelischer Kirchenkreis Oberes Havelland, Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, ESTAruppin, Kirchenkreis Wittstock-Ruppin, das Fachgebiet „Soziologie für die Soziale Arbeit” der BTU Cottbus-Senftenberg und der Flüchtlingsrat Brandenburg.
Das Projekt „Verbesserung der Aufnahmebedingungen für Schutzsuchende, Schutzberechtigte und vorübergehend Schutzberechtigte in Brandenburg (VASiB)” wird neben dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds, gefördert von der Diakonie Deutschland Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e. V., dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MSGIV), der UNO-Flüchtlingshilfe, der Diakonie Katastrophenhilfe, aidFIVE, der abriporta Stiftung, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).
Online-Pressegespräch, 22.11.2023
“Wohnen statt Unterbringung” – es geht wohl!
Das VASiB*-Netzwerkprojekt für geflüchtete Menschen in Brandenburg hält Kurs Richtung Paradigmenwechsel
Kapazitätsengpässe in den Unterkünften, ein leergefegter Wohnungsmarkt, überlastete Behörden: Die aktuellen Debatten zur Aufnahme von schutzsuchenden Menschen sind derzeit meist von einer generalisierenden Notstands-Rhetorik untermalt. Vor dem Hintergrund solcher Überlastungsszenarios an signifikante Verbesserungen der Lebens- und Wohnsituation von Schutzsuchenden zu denken, scheint aussichtslos. Statt lediglich an Verbesserungen zu denken, macht sich das VASiB*-Netzwerkprojekt deshalb daran, vielmehr gleich selbst eine Palette innovativer Schritte zur Verbesserung der Aufnahmebedingungen für geflüchtete Menschen in Brandenburg konkret anzugehen und auszuloten. Und das Projekt zeigt: Es geht wohl!
In dem Pressegespräch berichten wir als Netzwerk darüber, was wir beispielsweise mit der neuen unabhängigen Beschwerdestelle in Ostprignitz-Ruppin, der Wohn- und Unterbringungs-Beratung in Barnim, dem offenen Forum der ‘Strategiegruppe Wohnen’, unserem Best Practice-Scouting oder der wissenschaftlichen Projektbegleitung genau erreichen wollen. Wir zeigen auf, wie diese und viele weitere Maßnahmen innerhalb des Projekts ineinandergreifen. Und wir machen deutlich, wie wir als VASiB*-Netzwerk gemeinsam brandenburgweit am ebenso nötigen wie möglichen Paradigmenwechsel arbeiten: Weg von der Strategie der Massenunterbringung von Geflüchteten, hin zum politischen Bekenntnis zu dezentralem Wohnen in Wohnungen.
Dazu laden wir Medienvertreter:innen und Interessierte herzlich ein!
Datum: Mittwoch, 22. November 2023
Uhrzeit: 10 Uhr
Ort: Online via Zoom (Die Zugangsdaten werden nach Anmeldung verschickt.)
Bitte geben Sie uns unter der E-Mail info@fluechtlingsrat-brandenburg.de kurz Bescheid, wenn Sie den Termin wahrnehmen möchten.
Ausführliche Infos und Materialien in der Pressemappe zum Gespräch!
Pressemitteilung, 29.09.2023
„Sammelunterkünfte sind keine Lösung!”Aufruf zum Kurswechsel der Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg zum Welt-Habitat-Tag 2023
Brandenburg, 29.09.2023 – Zum UN-Welttag des Wohn- und Siedlungswesens (Welt-Habitat-Tag) am kommenden Montag fordert die Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg (KFB) die Verbesserung der Wohnsituation für geflüchtete Menschen in Brandenburg. Sie ruft Land und Kommunen zum Kurswechsel auf.
Ein Großteil der geflüchteten Menschen in Brandenburg ist in beengten Sammelunterkünften ohne ausreichende Privatsphäre untergebracht. In der aktuellen Debatte wird dabei der Anschein erweckt, dieser Zustand sei allein auf den starken Anstieg von Neuankommenden zurückzuführen. Aus dem Blick gerät jedoch, dass Schutzsuchende in vielen brandenburgischen Landkreisen und Kommunen bereits seit Jahrzehnten überwiegend in zentralisierten Sammelunterkünften untergebracht werden. Diese bevorzugte Praxis der Unterbringung belastet nicht nur die psychische Gesundheit der Menschen, die dort längerfristig leben müssen, sondern führt auch zu deren gesellschaftlicher Ausgrenzung.
„Jeder Mensch hat ein Recht auf menschenwürdiges Wohnen. Das ist keine Luxusforderung, sondern ein grundlegendes Menschenrecht gemäß Artikel 11 des UN-Sozialpakts”, betont Vincent da Silva vom Flüchtlingsrat Brandenburg. „Nicht der aktuell verstärkte Zuzug, sondern die seit Jahren verfolgte Politik der ausgrenzenden Massenunterbringung hat zu den Unterbringungsproblemen geführt, die heute allseits beklagt werden. Ein grundlegender Paradigmenwechsel in der Unterbringungspolitik ist daher längst überfällig”, merkt da Silva an.
Nach Meinung der KFB gibt es dabei konkrete Maßnahmen, die bereits kurzfristig Wirkung zeigen würden: So sollte beispielsweise am Modell einer flexibleren Unterbringungspolitik angeknüpft werden, wie sie bei der Aufnahme Schutzsuchender aus der Ukraine angewandt wurde. Dies entlastet die Kommunen, erleichtert die dezentrale Unterbringung und schafft dadurch viel effektiver angemessene Wohnverhältnisse. Die starren Verteilregeln auf Länder und Kommunen sollten aufgeweicht werden, damit Schutzsuchende mit familiären oder sozialen Netzwerken von diesen profitieren können. Und für diejenigen, die eine passende Wohnung finden, sollte die Wohnsitzauflage mit sofortiger Wirkung aufgehoben werden.
Ausgewogene Wohnungspolitik fördert soziale Gerechtigkeit
Für eine nachhaltige und tiefgreifende Verbesserung der Situation bräuchte es nach Ansicht der KFB dann aber zusätzlich vor allem langfristig angelegte Maßnahmen. „Es ist dringend erforderlich, dass Bund, Land und Kommunen langfristig in den sozialen Wohnungsbau investieren, um menschenwürdige Wohnverhältnisse für geflüchtete Menschen sicherzustellen”, fordert Lisa Schmidt von KommMit-PSZ, Projektkoordination der KFB. Die KFB ist davon überzeugt, dass dies der ganzen Gesellschaft in Brandenburg und Deutschland insgesamt zugutekommen wird.
„Der knappe Wohnraum ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nicht nur geflüchtete Menschen betrifft. Eine ausgewogene Wohnungspolitik fördert soziale Gerechtigkeit und trägt zur Schaffung einer inklusiven und vielfältigen Gesellschaft bei. Davon profitieren letztlich alle Menschen”, hebt Schmidt hervor. Die KFB appelliert daher an die Bundesregierung und die Landesregierung Brandenburgs, diesen dringenden Bedarf zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Die Sicherung angemessener Wohnverhältnisse für geflüchtete Menschen ist nicht nur eine moralische Pflicht, sondern ein wichtiger Schritt hin zu einer gerechteren und solidarischen Gesellschaft.
Hintergrund:
Die Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg setzt sich aus verschiedenen Organisationen zusammen, darunter KommMit – für Geflüchtete und Migrant:innen e.V. – PSZ Brandenburg (Projektträgerin), Evangelischer Kirchenkreis Oberes Havelland, Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, ESTAruppin, Kirchenkreis Wittstock-Ruppin, das Fachgebiet „Soziologie für die Soziale Arbeit” der BTU Cottbus-Senftenberg und der Flüchtlingsrat Brandenburg.
Das Projekt „Verbesserung der Aufnahmebedingungen für Schutzsuchende, Schutzberechtigte und vorübergehend Schutzberechtigte in Brandenburg (VASiB)” wird neben dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MSGIV), der UNO-Flüchtlingshilfe, der Diakonie Katastrophenhilfe, aidFIVE, der abriporta Stiftung, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).
Potsdam, 31.07.2023
Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg setzt sich für verbesserte Aufnahmebedingungen von Geflüchteten ein
Die Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg (KFB) hat sich zum Ziel gesetzt, die Aufnahme- und Wohnbedingungen für geflüchtete Menschen in Brandenburg zu verbessern. Der Fokus des Projektes, das überwiegend aus Mitteln des europäischen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (kurz: “AMIF”) gefördert wird, liegt auf der Ausweitung dezentraler Unterbringung in Brandenburg. Ein zentrales Ziel ist es, mehr geflüchteten Menschen das Leben in Wohnungen zu ermöglichen, damit sie unmittelbar am gesellschaftlichen Miteinander teilnehmen können.
Vincent da Silva vom Flüchtlingsrat Brandenburg, Teil der KFB, betont: “Insbesondere in Bezug auf die Unterbringung von geflüchteten Menschen sind gravierende Mängel zu verzeichnen. Viele Schutzsuchende sind gezwungen, in überfüllten Sammelunterkünften auszuharren, die nicht den Grundbedürfnissen eines menschenwürdigen Lebens entsprechen.”
Zusätzlich zur kontinuierlichen Betreuung und Begleitung von geflüchteten Menschen in Brandenburg konzentriert sich das Projekt schwerpunktmäßig auf die Verbesserung der Unterbringungsbedingungen, sowie damit einhergehend die Förderung der Akzeptanz bei der ortsansässigen Bevölkerung. Einen wesentlichen Aspekt stellt dabei die Abkehr von meist abgelegenen Sammelunterkünften, hin zur Unterbringung in privatem Wohnraum dar.
Um diesen Paradigmenwechsel in der Unterbringungspolitik zu erreichen, arbeiten im Kontext des Projektes diverse soziale und kirchliche Träger, Vereine und Organisationen, mit jahrelanger regionaler Kompetenz im Bereich der Migrationssozialarbeit zusammen, für das Gelingen eines progressiven Wandels.
“Die Form der Unterbringung bedingt letztlich auch die Chancen auf tatsächliche gesellschaftliche Teilhabe. Das Recht auf menschenwürdiges Wohnen für geflüchtete Menschen umzusetzen, bedeutet einen Beitrag für die offene Gesellschaft und sozialen Zusammenhalt zu leisten”, so Lisa Schmidt von KommMit-PSZ, Projektkoordination der KFB. “Im Hinblick auf die Wahlen in Brandenburg im kommenden Jahr verschärft sich gegenwärtig das gesellschaftspolitische Klima gegenüber der Aufnahme geflüchteter Menschen. Dieser verheerenden Entwicklung soll das Projekt etwas entgegensetzen”, so Schmidt weiter.
Das Projekt hat Anfang dieses Jahres erfolgreich gestartet und wird bis zum 30.12.2025 fortgesetzt. Morgen, am 01.08.2023, wird der Zuwendungsbescheid für die AMIF-Förderung des Projekts in Potsdam durch das BAMF und die brandenburgische Sozialministerin Ursula Nonnemacher überreicht.
Hintergrund:
Die Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg setzt sich aus verschiedenen Organisationen zusammen, darunter KommMit für Geflüchtete und Migrant:innen e.V. – PSZ Brandenburg (Projektträgerin), Evangelischer Kirchenkreis Oberes Havelland, Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, ESTAruppin, Kirchenkreis Wittstock-Ruppin, das Fachgebiet „Soziologie für die Soziale Arbeit“ der BTU Cottbus-Senftenberg und der Flüchtlingsrat Brandenburg.
Das Projekt “Verbesserung der Aufnahmebedingungen für Schutzsuchende, Schutzberechtigte und vorübergehend Schutzberechtigte in Brandenburg (VASiB)” wird neben dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds, gefördert vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, der UNO-Flüchtlingshilfe, der Diakonie Katastrophenhilfe, aid five, der apriporta Stiftung, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).
Weitere detaillierte Informationen zu den einzelnen Projektmaßnahmen und Ansprechpartner:innen finden sich Website der KFB: https://www.kooperation-für-flüchtlinge-in-brandenburg.de/
